Wirkungsverbesserung Levodopa bei fortgeschrittener Erkrankung

Dieser Beitrag erschien erstmalig unter ähnlich klingendem Titel am 22. Dezember 2019. mit Aktualisierung 8.2.2020. Diese Fassung ist deutlich erweitert.

Wir erinnern uns: L-Dopa ist das Brot- und Butter-Mittel gegen Parkinson. Fast jeder Patient erhält es.

Die Jahre gehen ins Land und die Medikamente verlieren – ganz, ganz langsam – etwas von ihrer Wirkung. Auch das L-Dopa. Deshalb müssen sie gelegentlich hochdosiert werden. Hierbei sollte man allerdings nicht vorschnell handeln – denn die Medikation soll einige Jahre halten.

Zur Vermeidung einer Höherdosierung muss man also dafür Sorge tragen, dass man die Wirkung verbessert., also bei konstanter Dosis mehr „herausholt“. In diesem Beitrag will ich Ihnen einige Methoden dazu für L-Dopa aufzeigen.

Der Anwendungsfall für jede der nachfolgend beschriebenen Verfahrensweisen ist wie folgt: Sie sind im Off, also schwer beweglich. Sie haben bereits Ihre Ration an L-Dopa genommen und warten nun sehnlichst darauf, sich wieder bewegen können zu dürfen. Dieses Warten dauert manchmal sehr lang – jedenfalls gefühlt. Das kann folgende Ursachen haben:

  • Der Wirkungseintritt liegt – ganz objektiv – inzwischen deutlich später als zu Beginn Ihrer Erkrankung.
  • Oder aber, Sie sind sehr vorsichtig mit der Dosierung, da Sie wissen, dass zuviel Medikation zu Überbeweglichkeit (Over) führen kann. In der Folge erreichen Sie möglicherweise den Grundpegel nicht, den Ihr Körper braucht, um sich bewegen zu können. Dann können Sie lange warten, ohne eine fühlbare Wirkung zu spüren.

Ankurbeln der Verdauung mit Abführmittel

Mit Fortschreiten der Erkrankung wird auch die Verdauung beschwerlich. Viele Patienten nehmen deshalb mehr oder minder regelmäßig ein Abführmittel. Typische Mittel zur Vermeidung der Verstopfung sind Parkolax, Movicol oder Macrogol.

Als ich Abführmittel das erste Mal erhielt, habe Ich diese Mittel jeweils täglich morgens genommen – zusammen mit all den Pillen, die 24 Stunden lang halten. Die Wahl dieses Zeitpunktes war vollkommen willkürlich. Es gab kein vertieftes Nachdenken über den optimalen Einnahmezeitpunkt.

Ich war für einige Wochen jeweils nach dem Mittagessen für einige Stunden ziemlich unbeweglich. Und dabei war es praktisch egal, in welchem zeitlichen Abstand vor oder nach dem Essen ich L-Dopa nahm. Natürlich wusste ich: Spätestens 30 min vor oder frühestens 2 Stunden nach dem Essen soll L-Dopa eingenommen werden. Ansonsten verpufft dessen Wirkung sehr schnell oder aber sie tritt gar nicht erst ein. Aber die Einhaltung dieser Regel half mir nicht mehr gegen die Unbeweglichkeit.

Da erinnerte ich mich an eine Aussage meiner Neurologin: Ohne Verdauung keine Resorption. Der Verdauungsapparat muss also arbeiten, damit die Medikamente ins Blut übergehen und somit ins Hirn gelangen können,

Dies funktioniert umgekehrt als Teufelskreis: Liegt die Verdauung darnieder, kann das Hauptmedikament, das jegliche Bewegung innerhalb des Körpers möglich macht, nicht richtig zur Wirkung kommen.

Nun war meine Idee die folgende: Die Verdauung kann ich auch mit dem Abführmittel „antreiben“. Also verlegte ich die Einnahme des Abführmittels auf nach dem Mittagessen.

Und es funktionierte: Mein Nachmittagstief – also das Off nach dem Essen – verschwand fast gänzlich. Das ist wirklich geschenkte Lebenszeit.

Denkbare Varianten: Nicht den Einnahmezeitpunkt des Macrogols (oder eines sonstigen Abführmittels) verändern, sondern dessen Einnahme aufteilen (50% nach Frühstück, 50% nach dem Mittagessen). Oder einen zusätzlichen Beutel nehmen.

Die Grundidee ist ja immer die gleiche: Das Abführmittel sorgt für „Bewegung“ der Verdauungsmuskulatur – zusätzlich und vor allem: unabhängig vom L-Dopa. Und der Verdauungsapparat wiederum wird benötigt für ein gute L-Dopa-Wirkung.

Ankurbeln der Verdauung mit zusätzlicher Nahrung

Wenn es die Verdauung ist, die so wichtig ist: Natürlich kann man die auch anders ankurbeln. Das gilt vor allem dann, wenn wir stark auf das Trinken von Wasser gepolt sind. Für unsere Medikamente hat Wasser zahlreiche Vorzüge: Es ist neutral, löscht gleichzeitig den Durst wirklich, schmeckt praktisch jedem und immer und ist in Ländern wie Deutschland immer – trinkbar – dann vorhanden, wenn es aus dem Hahn kommt.

Aber man kann auch übertreiben: Manchmal ist man des Wassers einfach überdrüssig. Man sehnt sich nach Getränken mit besonderem Geschmack, mehr „Fülle“. Manche davon sind so reichhaltig, dass sie ebenfalls verdauungsfördernd sind.

Mein Lieblingsbeispiel dafür ist Kakao: Die heiße Schokolade mit Sahne kann Wunder bewirken.

Wenn Sie selbst Patient sind, wird diese Botschaft sie ungemein freuen. Wenn Sie zur Riege der Ärzte gehören, werden Sie dagegen jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Denn viele Parkis lieben das Süße – wohlwissend, dass es ungesund ist.

Aber es ist nun mal so: Manch einen Nachmittag habe ich einer eingenommenen L-Dopa-Tablette Wasser hinterhergekippt – in der Hoffnung, dass sich die Tablette schneller lösen würde. Aber es blieb folgenlos. Es trat einfach keine Wirkung ein – bis ich einen Kakao trank. Je reichhaltiger an Schokolade und Sahne, desto besser.

Übrigens: L-Dopa soll ja nicht in Verbindung mit Nahrung genommen werden – am besten scheint die Tabletteneinnahme wie gewohnt mit Wasser. Den Kakao dann eine halbe Stunde später trinken.

Sich selbst nervös machen

Bei mir ist es so: Wenn ich im Off bin oder aber ganz optimale (nicht zu starke, nicht zu schwache – On) Medikationswirkung habe, mich aber etwas nervös macht, komme ich leicht in den Zustand von Überbeweglichkeit. Meine Arme beginnen dann zu rudern, mein Oberkörper fängt an zu schwanken.

Also – so nun mein Gedankengang – müsste es doch möglich sein, den Zustand der Unbeweglichkeit dadurch zu verlassen, dass ich mich selbst nervös mache. Meine ersten Gehversuche dazu sind ermutigend.

Wie aber bringe ich mein Nervensystem dazu, in „Wallung“ zu kommen? Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.

Ein Neurologe machte es einmal bei mir: „Bitte zählen Sie in 7er-Schritten abwärts. Beginnen Sie mit 99!“ Auf meine Nachfrage, was dies für die Untersuchung bringe, antwortete er, dies setze mich unter Stress. Damals lachte ich noch darüber – heute weiß ich: Es stimmt – und deshalb lache ich nicht mehr. Dies ist vermutlich die schonendste Methode.

Eine andere Weise zur Erzeugung von Stress geht so: Spielen Sie Computerspiele! Ja, auch das ist ernst gemeint. Ich halte von den meisten nichts bis wenig. Insbesondere kann ich sogenannte Ballerspiele nicht leiden. Aber genau jene sind es, die Stress erzeugen. Und es gibt einige, die jedenfalls nicht vollkommen blöd sind.

Im Zuge der Corona-Krise gab es ja verstärkt Anstrengungen, die Leute zu Hause beschäftigt zu halten – vermutlich einer der größten Wachstumsmotoren für das Internet. Deshalb sind auch sehr viele verfügbar. 4 in eine Reihe ist kein Ballerspiel, hat aber ähnliche Nervositätseffekte. Bubbles ist ebenfalls nicht schlecht.


Soweit diese Maßnahmenideen. Bei mir haben sie bisher gut gewirkt. Weitere Ideen oder Anmerkungen? Schicken Sie Feedback.

Bitte beachten Sie: Keine Maßnahme ohne Rücksprache mit Ihrem Neurologen! Ich stelle hier nur meine eigenen Erfahrungen und Überlegungen dar. Was für mich funktioniert, muss nicht zwingend für Sie passend sein. Und meine Erklärungsversuche könnten Humbug sein.