Erfahrungen mit Requip (Ropinirol)

Requip gehört zu den sogenannten Dopaminagonisten. Das sind Stoffe, die sich wie Dopamin verhalten, allerdings chemisch anders zusammengesetzt sind. Medikamente aus dieser Klasse werden insbesondere bei Erkrankungen mit früher Diagnose gerne verschrieben, da sie ihre Wirkung viele Jahre lang behalten. Sie haben allerdings mit die heftigsten Nebenwirkungen, die sich teilweise psychisch bemerkbar machen (zum Beispiel Kaufrausch, Spielsucht) und auch im Schlafverhalten Auswirkungen zeigen (Alpträume; Schlafattacken, also sehr heftige Anfälle von Müdigkeit).

Siehe dazu auch die allgemeinen Beiträge auf dieser Website über Agonisten (Schlagwort bzw. Link am Ende dieses Beitrags).

Neben Requip gibt es auch Requip modutab. Dies ist die 24h-Retardversion, wirkt also über einen Zeitraum von 24 Stunden im Körper. Ich spreche hier vereinfachend von „Requip“ und meine dabei beide Versionen. Sollte es einmal einen Unterschied geben, stelle ich dies explizit dar.

Ich selbst nehme Requip seit vielen Jahren und sehr gerne. Ich bin mit der Nicht-Retard-Variante gestartet. Allerdings entpuppte sich diese als zu erratisch im Verlauf. Deshalb erfolgte irgendwann der Wechsel zur Retard-Variante („modutab“). Dies ist auch die am häufigsten verschriebene Form.

Das hat den Verlauf des Medikamentenpegels sehr stark geglättet. Damit die Einzel-„Portionen“ möglichst gut ins Hirn gelangen können, scheint regelmäßiges und vor allem nahrhaftes Essen sehr wichtig zu sein. Auch die Einnahme einer ausreichenden täglichen Getränkemenge ist sehr hilfreich. Das sorgt für gute Resorption.

Anwendung

Das Medikament kommt in Tablettenform. Bei der Retard-Variante gibt es 2 mg, 4 mg und 8 mg. Damit können beliebige geradzahlige Mengen dargestellt werden. Braucht man also 12 mg täglich, so kann man dies durch die Einnahme einer 8 mg- und einer 4 mg-Tablette darstellen. Ebenso wären 1 x 8 mg und 2 x 2 mg möglich.

Ich dachte einmal, ich könnte die Wirkung noch besser verstetigen, indem ich einen Teil der Tabletten um 12 Stunden zeitversetzt nehmen würde, also abends statt morgens. Aber das entpuppte sich als Irrtum – stattdessen war ich nachts so aufgeputscht, dass an Schlaf nicht mehr zu denken war.

Die Einnahme erfolgt unabhängig von Mahlzeiten. Es kann jederzeit genommen werden. Das ist also anders als bei L-Dopa, das spätestens eine halbe Stunde vor oder frühestens zwei Stunden nach dem Essen genommen werden sollte. L-Dopa konkurriert mit Eiweißen um Zugang zum Gehirn.

Requip sollte also als Ganztagesration vollständig (zusammen mit allem anderen, also z.B. Inhibitoren) morgens genommen werden, idealerweise zur ungefähr immer gleichen Zeit.

Ein- oder Umstellung der Dosierung

Sollte Requip Ihr erstes Parkinson-Medikament oder Ihr erster Agonist überhaupt sein, ist die Sache recht einfach: Sie starten mit der kleinsten denkbaren Dosis (2 mg bei Retard) und erhöhen dann sukzessive in diesen Schritten, bis Ihre Symptome sich verbessert haben.

Wichtig dabei ist, dass Sie dem Körper ausreichend Zeit geben, sich an die jeweilige Dosis zu gewöhnen. Deshalb sollten Sie für jeden Erhöhungsschritt eine Woche erlauben. Das wird Ihnen anfänglich vielleicht lang vorkommen. Aber sie werden schnell sehen, dass wir hier nicht über Hustenbonbons reden.

Schwieriger wird die Findung des rechten Niveaus, wenn Sie mit Requip andere Medikamente, zum Beispiel andere Agonisten oder L-Dopa, substituieren wollen.

Am besten erscheint es, auch hier stufenweise vorzugehen. Dabei sollte man das alte Medikament herunterfahren, während das neue hochdosiert wird. Idealerweise geschieht dies so, dass die Dosierungen zueinander äquivalent sind. Bei wirkungsähnlichen Medikamenten gibt es im Internet manchmal Aussagen zur Äquivalenz. In der Praxis allerdings funktionieren diese nicht immer. Außerdem müsste man eigentlich den Grundsatz beachten, dass man nicht zwei Agonisten gleichzeitig haben sollte. Dies lässt sich allerdings lupenrein nicht erreichen, selbst wenn man den alten Agonisten auf einen Schlag auf 0 reduziert. Denn eine gewisse Restmenge verbleibt sowieso noch im Körper.

Daher bleibt nur „Trial and Error“, also Versuch und Nachkorrektur, wenn das Ergebnis noch nicht wie gewünscht aussieht.

Ich schildere hier nun ein „praktisches“ Verfahren, das ich mir irgendwann überlegt und mehrmals erfolgreich angewandt habe. Damit soll einerseits erreicht werden, dass das Leiden durch zu schwache Medikation klein gehalten wird, andererseits die Gesamtmenge der Medikation möglichst sinkt.

Die Grundlogik ist ganz simpel: der Reduktion des alten Medikaments wird stets ein kleiner Vorsprung gelassen. Und: Statt nach Äquivalenzen zu fahnden wird zunächst unterstellt, dass die jeweils kleinsten Einheiten ungefähr äquivalent sind.

Die Schritte zur Reduktion des alten und zum Hochdosieren des neuen Medikaments können Sie im Wochenrhythmus oder – wenn Sie es schneller brauchen – in jedem kürzeren Intervall vollziehen. Manchmal sind Sie gar nicht derjenige, der das Intervall bestimmt, sondern zum Beispiel die Krankenhaus-Ärzte.

Die Funktionsweise der Umstellung verläuft – am Beispiel des Ausschleichens eines alten zugunsten eines neuen Agonisten – so: Zunächst reduzieren Sie den alten Agonisten um 2 (!) Tabletten – und mit Tablette unterstelle ich hier „kleinste Einheit“. Und Sie nehmen vom neuen Agonisten 1 Tablette (= ebenfalls kleinste Einheit) neu.

Alle weiteren Schritte erfolgen 1 : 1 – also 1 Tablette altes Medikament reduzieren, 1 Tablette neuer Agonist hochdosieren.

Das geht bis zum vorletzten Schritt so. Beim letzten Schritt müssten Sie noch 1 Tablette aufdosieren, da Sie ja anfänglich vom alten Medikament um 2 reduziert haben,.

Und nun kommt der „Dreh“: Warten Sie mit der Ausführung des letzten Schritts. Vielleicht müssen Sie den gar nicht mehr machen. Denn da Ihr neues Medikament dem Körper noch gar nicht „bekannt“ ist, stehen die Chancen gut, dass das neue Medikament besser „einschlägt“.

Wenn das alles so funktioniert, ist das wunderbar. Aber trotzdem sollten Sie sich auf eine Art „Entzugserscheinungen“ einstellen. Sehr häufig gibt es zum Beispiel Rigor auf der Lunge – sehr unangenehm, da von echter Atemnot kaum unterscheidbar. Oder man hat Krämpfe in den Füßen, die Zehen versuchen, sich nach unten zu krümmen (Gegenmaßnahme: Mit der Ferse des anderen Fußes auf die Zehen steigen und diese platt drücken).

Und: All dies sollte sowieso mit Ihrem Arzt besprochen werden.

Wie groß die Reduktionsmöglichkeiten sein können, zeigt mein eigenes Beispiel: Vor einigen Jahren hatte meine Tagesdosis Requip modutab die Marke von 18 mg erreicht. Das war der Höchstdosis von 24 mg schon recht nahe. Ich wurde auf Apomorphin umgestellt, später auf Neupro, anschließend auf Sifrol. Nach mehrjähriger „Erholungspause“ von Requip wurde dieses wieder angesetzt. Heute ist meine Tagesdosis bei 12 mg – bei annähernd gleicher Begleitmedikation.

Feinjustierung

Damit Sie feinjustieren können, ist es wichtig, zumindest gelegentlich die kleinste Tablettendosierung verschreiben zu lassen. Wenn Sie also wie im obigen Beispiel 12 mg am Tag benötigen, nehmen Sie außer den 8 mg lieber 2 x 2 mg als 1 x 4 mg.

Wenn Sie mal zwei Tage haben, an denen Sie nicht so leistungsfähig wie sonst sein müssen, lassen Sie einmal eine 2-mg-Tablette weg. Damit erhalten Sie ein Gefühl dafür, was Ihnen das Medikament bringt. Sie könnten zum Beispiel spüren, dass Sie weniger gut laufen können. Ich nenne dies eine Sensitivitätsanalyse (ausführlicher dazu: s.u.).

Aber nicht nur zum Zwecke der Sensitivitätsanalyse, sondern auch aus anderen Gründen, kann es gelegentlich sinnvoll sein, mal eine 2-mg-Tablette in der Tagesdosis wegzulassen. Machen wir uns dies an einem Beispiel klar, Wenn Sie zum Beispiel mit 10 mg noch nicht ausreichend beweglich sind, sondern erst mit 12 mg, dann brauchen Sie also jedenfalls mehr als 10 mg. Aber brauchen Sie volle 12 mg? Vielleicht reichen 11,6 mg. Die lassen sich aber nicht verschreiben. Da Sie jeden Tag 12 mg einnehmen, haben Sie dann etwas zuviel intus. Es kann also eigentlich nicht schaden, gelegentlich einmal etwas wegzulassen. – Für diese Ansicht bin ich mal ziemlich übel verlacht worden. Ich glaube das trotzdem – aber mehr als ein Glaube ist es nicht.

  • Lassen Sie gelegentlich einmal die kleinste Pille weg. Auch das könnte ein Beitrag dafür sein, die Menge klein zu halten und schädliche Nebenwirkungen hinauszuzögern.

Nebenwirkungen

Fast alle Patienten spüren Tagesmüdigkeit und – wenn sehr starke Wirkung vorhanden ist – sogar Schlafattacken.

Die Müdigkeit überfällt einen dabei so plötzlich und vor allem so stark, dass man wirklich kurz davor steht, auf der Stelle einzuschlafen. Ich habe das vor allem auf Zugfahrten gespürt. Problematisch ist vor allem der bleierne Charakter des auftretenden Schlafbedürfnisses. Selbst wenn man wach bleibt, redet, denkt und bewegt man sich viel langsamer als sonst. Es ist, als hätte man überall zusätzliche Gewichte hängen, die die Muskeln bereits stark beanspruchen und träge machen. Gleiches gilt auch für Denken und Sprechen.

Trotzdem gibt es schnell einen großen Hoffnungsschimmer: Der Körper gewöhnt sich an das Medikament – die Müdigkeit überfällt einen nicht mehr ganz so plötzlich, nicht mehr so lang (anfänglich 1 bis 2 Stunden) und nicht mehr so stark.

Aber noch etwas ganz anderes ist sehr wichtig: Wenn die Müdigkeit Sie überfällt, bedeutet das, dass das Medikament wirkt. Also hat in solchen Fällen der Retardmechanismus seine Wirkung getan.

  • Beobachten Sie deshalb genau die Zeiten bzw. Situationen. Sie werden zum Beispiel feststellen, dass nach den Mahlzeiten Müdigkeit einsetzt – und dies ist nicht nur Folge des Essens.
  • Versuchen Sie, bei absehbarer Müdigkeit keine Aktivität durchzuführen, mit der Sie sich oder andere in Gefahr begeben.

Für alle anderen Nebenwirkungen verweisen wir auf die allgemeinen Agonisten-Beiträge.

Besonderheiten

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Weblinks

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