Neupro-Pflaster (Rotigotin)

(Last Updated On: 21. Februar 2019)

Seit einigen Jahren nehme ich das Neupro-Pflaster. Es ist ein Agonist, also gelten alle Beiträge dieser Website zu diesem Thema auch dafür.

Ort der Anbringung

Die möglichen Orte sind im Beipackzettel angegeben: Schulter, Oberarm, Bauch, Oberschenkel, Hüfte, Flanke (seitlich zwischen Rippe und Hüfte). Auch sagt der Beipackzettel, dass die betreffenden Stellen frei von Cremes, Ölen, Puder oder anderen Hautpflegeprodukten sein sollten.

Auszug Beipackzettel Neupropflaster

Neupro-Pflaster Beipackzettel (März 2016) – Orte der Anbringung

Außerdem sollte dort keine Körperbehaarung vorhanden sein – natürlicherweise oder durch Rasur. Dies hat mehrere Gründe: Zum einen beeinträchtigt die Behaarung den direkten Hautkontakt und damit die Wirkung. Zum anderen ist es unangenehm, das Pflaster von behaarten Hautstellen abzuziehen.

Darüberhinaus sollte der Auftragungsort beständig geändert werden, um Hautreizungen zu vermeiden. Ich wechsele deshalb stetig die Seiten: heute links, morgen rechts.

Mein Lieblingsanbringungsort ist der Außenbereich des Oberarms, direkt unterhalb der Schulter. Dies hat eine Reihe von Gründen:

  • Der Ärmel meines T-Shirts oder Unterhemdes bieten zusätzlichen  Schutz – vor allem vor den wechselnden Jacken, die ich tagsüber trage (ein Anziehen der Jacke kann bei direkter Berührung des Pflasters leicht zu seiner Ablösung führen).
  • Anders als zum Beispiel auf dem kugelförmign Gelenk der Schulter muss das Pflaster nur in eine Richtung gekrümmt werden, um sich dem Körper anzuschmiegen. So bleibt es besser haften.
  • Diese Stelle hat kaum Hautbewegung (jedenfalls solange ich oberhalb des Bizeps bleibe). Das Gegenbeispiel ist für mich der Bauchraum: Tagsüber muss man sich häufiger bücken – dies führt dort zu Faltenbildung oder jedenfalls Bewegung der Haut – schlecht für das Pflaster.
  • An dieser Stelle habe ich (das wird nicht für jeden so sein) praktisch keine Körperbehaarung.
  • An dieser Stelle schwitze ich sehr selten.

Dosierung

Diese ist natürlich für jeden individuell. Außerdem hängt sie davon ab, welche sonstigen Parkinson-Medikamente man einnimmt.

Bei Erst-Verwendung wird man sicherlich klein beginnen: 2mg / 24 Stunden ist die geringste als Einheit verfügbare Menge. Aufdosieren sollte in Absprache mit dem Arzt und sehr langsam erfolgen. Ich habe für jeden zusätzlichen Schritt nach oben jeweils 2 Wochen angesetzt.

Bei der Dosierung kommt einer der größten Vorteile der Verabreichung als Pflaster ins Spiel: Man kann es jederzeit wieder abnehmen. Ich mache davon vor allem nachts Gebrauch. Meine derzeitige Dosis liegt bei 6 mg – tagsüber. Nachts lasse ich nur das 4-mg-Pflaster aufgetragen. Das 2-mg-Plaster streife ich beim Zubettgehen ab.

In Summe erreiche ich so eine 24-h-Medikation von etwas über 5 mg, also fast ein mg weniger als die 6 mg, die ich nominell nehme.

Agonisten entwickeln ihre schädlichen Nebenwirkungen über einen sehr langen Zeitraum von in der Regel mehreren Jahren. Daher hoffe ich, auf diese Weise die Anwendung für eine größere Dauer zu ermöglichen.

 

Tägliche Wirksamkeitsdauer

Das Pflaster wirkt 24 Stunden. Um dies zu gewährleisten, enthält jedes Pflaster mehr Wirkstoff als angegeben, so dass eine Reserve besteht. Theoretisch kann man ein Pflaster deshalb auch anderthalb Tage tragen.

Praktisch ist dies allerdings kaum möglich, weil die Abgabe des Wirkstoffs nach mehr als 24 Stunden nicht mehr gleichmäßig erfolgt. Die Schwankungen können sehr stark sein. Man sollte deshalb in einem recht engen Zeitfenster den täglichen Austausch vornehmen.

 

Wiederanbringung entfernter oder abgegangener Pflaster

Ist ein Pflaster einmal abgegangen, sollte man den Versuch einer Wiederanbringung nach Möglichkeit vermeiden. Denn der Klebeeffekt ist dann in der Regel deutlich gemindert – dies schmälert die Wirksamkeit deutlich.

Deshalb sollte man zum Beispiel bei ausgeübtem Sport stets mindestens eine Austauschgarnitur (also ein Set von Pflastern in der erforderlichen Gesamtdosis) vorhalten. Auch für ungeplanten Abgang sollte man eine Reserve stets bei sich führen.

Eine ungewollte Ablösung ist durch eine Reihe von Ereignissen denkbar: Übermäßiges Schwitzen bei großer Hitze oder Anstregung, Scheuern der Kleidung an der Anbringungsstelle, Nässe oder Feuchtigkeit usw.

 

Kritische Punkte

Ich fühle mich mit dem Pflaster sehr wohl – vor allem aufgrund seiner Reversibilität durch einfaches Abziehen von der Haut hat man jedenfalls subjektiv das Empfinden, die Zufuhr besser steuern zu können.

Auch nachts schätze ich die Möglichkeit der Dosisreduktion, weil ich dadurch besser schlafe.

Es gibt lediglich folgende Punkte, die das Bild ein wenig trüben – allerdings wiegen diese nicht schwer in Relation zum Nutzen des Pflasters. trotzdem ist es mir wichtig, dies bewusst zu machen.

  • Überdosierung führt zu Überbewegungen. Ich weiß nicht warum: Alle Ärzte sagen mir immr wieder, dass das L-Dopa im Laufe der Jahre das Medikament ist, das Überbewegungen auslöst. Meine eigene Beobachtung ist dagegen, dass auch Agonisten sehr wohl Überbewegungen verursachen können.
    Ich weiß das deshalb, weil es mir gelegentlich passiert ist, dass ich bei Anbringung eines neuen Pflasters die Abnahme des alten vergaß. Dies führte zum Teil zu recht heftigen Überbewegungen bei mir.
  • Der Wirkstoff macht (jedenfalls ein wenig) süchtig.
    Wenn ich zuwenig Wirkstoff erhalte, habe ich wirklich schlimme Krämpfe im Fuß. Wenn eines Tages der Zetpunkt gekommen ist, das Medikament abzusetzen oder signifikant zu reduzieren, werde ich dann möglicherweise bereuen, es genommen zu haben. Ich glaube allerdings nicht, dass es so kommen wird. Denn bisher war es so (bei Reduktionen, die ich einmal vorgenommen habe), dass bei auftretenden Krämpfen leichte Abhilfe dadurch möglich war, dass ich für ganz kurze Zeit die Dosis erhöhte.

 

Fazit

Für mich ein hervorragendes Mittel. Es wirkt 24 Stunden – man muss sich also nicht ständig darum kümmern. Es ist reduzierbar, wenn erforderlich. Es ist leicht in der Anwendung.