Späte Stadien (5) – Begleit- und Folgeerscheinungen physischer Natur

Aktualisierung 1/2020: Kribbeln und Verweis auf schlechte Beweglichkeit eingebaut.

Parkinson lässt einen immer schon etwas weiter blicken, bevor man die Symptome selbst erlebt.

Aber bevor ich Ihnen einen ganz kleinen Eindruck verschaffe, wie so ein Ausblick funktionieren kann, lassen Sie mich einige der Begleiterscheinungen etwas beleuchten, die sonst mit Parkinson verbunden sind.

Um es gleich vorneweg zu sagen: Der Teil über den Stuhlgang ist streckenweise unappetitlich. Ich werde deshalb die Beschreibungen in sogenannte Tabs packen. Also wie Registerkarten, die Sie ziehen können – oder eben nicht. Ob Sie dann das Verdauungsthema öffnen oder nicht, bleibt Ihnen überlassen.

Irgendwann beginnt die Zeit der Krämpfe. Vielleicht hatten Sie schon mal einen. Dann wissen Sie, dass das unangenehm ist, aber dass Gegendruck oft viel bewirken kann.

Bei vielen Parkis ist einer der häufigsten Krämpfe das „Zusammenrollen“ der Füße, insbesondere im Bereich der Zehen. Die Zehen krümmen sich also gewissermaßen nach unten.

Mit so einem Fuß fällt  es schwer zu laufen. Der einzige erzeugbare Gegendruck besteht darin, sich mit dem anderen Fuß auf den verkrampften zu stellen und diesen „platt“ zu drücken. Allerdings geht das nur, solange der Krampf einseitig auftritt. Sind beide Seiten betroffen, kann man nur noch ständig abwechselnd jeweils die Ferse des einen auf die Zehen des anderen stellen.

Ich möchte noch etwas anderes ansprechen, das ebenfalls mit den Füßen zusammenhängt: Nicht nur versuchen sie ein Zusammenrollen in Längsrichtung, sondern auch eine Art „Einklappen“. Mir fiel dies das erste Mal dadurch auf, dass ich an der Außenkante des rechten Fußes Hornhaut bekam. In bestimmten Phasen schwacher Medikation knickt der Fuß so weg, dass ich das Gefühl habe, auf der Außenkante zu laufen.

Gegen Krämpfe soll die Gabe von Magnesium helfen, welches in der Form von Brausetabletten in jedem Supermarkt zu haben ist. Bei mir scheint das auch zu wirken. Ob das ein Placebo-Effekt ist, kann ich nicht sagen, aber auch von anderen habe ich gehört, dass das positive Wirkung hatte.

Außerdem gibt es Kribbeln. Das Gefühl, dass 1.000 Ameisen über eine Stelle des Körpers laufen. Das ist zwar ein wenig merkwürdig, aber längst nicht unangenehm wie die Krämpfe.

Druck auf der Lunge

Manch ein Parki klagt über Druckempfinden auf den Brustkorb bzw. auf die Lunge. Das kann z.T. sehr unangenehm sein, weil man das Gefühl hat, ein schwerer Stein liege auf der Brust, um den Atem zu beeinträchtigen.

In Wirklichkeit handelt es sich um einen Rigor auf der Lunge – meistens.

Dieses Phänomen tritt (gefühlt) oft dann auf, wenn der Medikamentenverlauf nicht gleichmäßig ist, zum Beispiel bei Umstellungen oder Anpassungen. Oder wenn die Einnahmezeiten sich verschieben.

Verlorener Geruchssinn

Er gilt inzwischen sogar als Frühindikator für die Erkrankung. Man nimmt Gerüche falsch wahr – oder gar nicht mehr. Manchmal ist das sogar von Vorteil. Überwiegend ist es allerdings mit Nachteilen behaftet. Denn Gerüche signalisieren sehr viel: Sind Lebensmittel verdorben? Hat man sich ausreichend gewaschen? Sind Tiere in der Nähe? Hat das Baby die Windel voll? All dies ist dann nicht mehr oder nur eingeschränkt wahrnehmbar.

Ich und viele Bekannte dachten, dass Geschmack und Riechen sehr eng beieinander liegen. Dem scheint aber nicht so zu sein; denn die Fähigkeit zu Schmecken verschwindet nicht.

S. zu Überbewegungen den separaten Beitrag hier: Artikel Überbewegungen.

Und zu den Phasen schlechter Beweglichkeit: Artikel Off.

Lähmung Verdauungsmuskulatur

Parkinson lähmt die Muskeln des Körpers immer mehr. Alle Muskeln. Das betrifft auch den Verdauungstrakt. Die Folge ist Verstopfung.

Dies bedeutet natürlich, dass Stuhl im Magen-Darmtrakt verbleibt. Dort setzt er Gase frei. Und die wiederum führen zu Bauchschmerzen.

Deshalb ist es wichtig, etwas nachzuhelfen. Dazu gibt es Mittel wie Parkolax oder Makrogol. Diese liegen brauseförmig vor. Man muss also lediglich ein solches Paket öffnen, das Pulver in ein  Glas Wasser geben und das austrinken. Wenn eins nicht reicht, kann man auch drei am Tag nehmen.

Anfänglich wird man solche Mittel situativ nehmen. Tritt Verstopfung ein, schafft man damit Abhilfe. Aber im Zeitablauf ist der Parkinson-strapazierte Körper immer öfter darauf angewiesen. Irgendwann einmal gehören diese Mittel daher zur täglichen Standardausstattung. Im Beipackzettel steht, dass man diese Mittel nicht als Dauermedikation nehmen sollte. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Parkinson ist eine davon.

Ein kleiner Ausblick

Was bedeutet Lähmung? Man kann sich schlecht bewegen. Statt großer Schritte gehen nur noch kleine. Statt starken Zupackens geht nur schwächliche Berührung.

Und doch: Es geht noch etwas. Die Beine tragen mich noch und sie bringen mich weiter. Es dauert länger, eine bestimmte Strecke zu laufen. Manchmal viel länger. Und manchmal viel, viel länger. Aber ich komme noch vorwärts.

Seit einiger Zeit aber spüre ich, dass die Lähmung viel fundamentaler sein kann. Das merkt man in den Momenten  des Übergangs – wenn die Tabletten ihre Wirkung beginnen.

Bisher war es so, dass ich zur Überprüfung meiner Beweglichkeit immer den Glühbirnen-Test gemacht habe. Man macht eine Bewegung mit der Hand, als würde man ein Leuchtmittel in seine Fassung eindrehen. So konnte ich immer am leichtesten feststellen, wie es stand.

Heute geht es immer noch so. Allerdings ist das alleine nicht mehr ausreichend.  Ich muss noch etwas ergänzen: Ich hebe beide Arme und wedele mit Ihnen als wolle ich abheben und wegfliegen.

Und mein Problem ist: Auch wenn die Drehung der Hände beim Glühbirnen-Test voll funktioniert, kann es passieren, dass der „Flugtest“ versagt, weil meine Arme zu schwer sind. Und so wie in den Armen spüre ich es auch in den Oberschenkeln.

Es gibt auch Tätigkeiten, die mir deutlich machen, dass meine Kräfte schwinden. So merke ich deutlich, dass mir Kraft fehlt, wenn ich ein Brötchen aufschneide. Ich muss den Oberarm dazu inzwischen stark belasten – und zwar selbst bei voller Medikamentenwirkung.

Das zeigt mir, dass meine Vorstellung von Lähmung noch längst nicht weitgehend genug war. Eine Volllähmung habe ich noch nicht einmal ansatzweise erlebt. Wie unangenehm das werden kann – das kann ich nur erahnen.


Zusammenfassung

Die Einschläge kommen näher – so fühlt es sich ein wenig an.

Und das stimmt ja auch in dem Sinne, dass die Erkrankung stetig fortschreitet.

Dies gehört zum Lauf der Dinge. Aber immer noch geht es mir relativ gut: Meine Zeiten mit regulärer Beweglichkeit sind immer noch recht lang. Für einiges (Verdauung, Krämpfe) gibt es eigene Mittel, die mir jedenfalls das Gefühl geben, aktiv etwas tun zu können.