Stimme und Sprechen

(Last Updated On: 4. Juli 2014)

Parkinson führt zu Lähmung. Im Laufe der Jahre sind praktisch alle Körperteile davon betroffen. Also insbesondere auch die Zunge. Mithin leidet auch die Sprechfähigkeit.

Ich verspüre noch keine nennenswerten Einschränkungen beim Sprechen. Trotzdem merke ich doch in Off-Situationen, in denen ich mich verhaspele, meine Stimme leicht vibriert und ich mich undeutlicher ausdrücke.

Man kann gegen den Verfall der Sprechfähigkeit angehen. Logopäden bieten Hilfestellung.

Es gibt auch ein aus den USA stammendes Aktivitätsprogramm, den sogenannten LSVT loud. Die Abkürzung steht für „Lee Silverman Voice Treatment“. Lee Silverman ist deren Erfinder. Das VT bedeutet „Stimmbehandlung“.

Dies ist ein besonderes, auf Parkinson zugeschnittenes Sprechtraining. Zu diesem gibt es auch zahlreiche Videos im Internet, anhand derer man sich ein Bild machen kann. Die Vermarktung erfolgt sehr stringent – Logopäden benötigen Zertifizierung und laufende Fortbildung, es gibt öffentlich verfügbare Zulassungslisten. Dies könnte der Qualität dienen  oder der Geldmacherei. Ich kann dies nicht beurteilen.

Ich selbst lese mir vor eingeschaltetem Mikrofon gelegentlich den Zauberlehrling vor. Dieses Goethe-Gedicht ist nicht nur eine wunderbare Geschichte. Es ist auch deshalb besonders geeignet, weil der Lehrling ganz viele unterschiedliche Emotionen durchläuft:

  • gockelhaftes Aufplustern und Freude über die Abwesenheit des Meisters,
  • Verfall in herrischen Kommandoton, Überheblichkeit,
  • Erschrecken über den vergessenen Zauberspruch zur Beendigung,
  • Wut auf die nicht mehr aufhörenden Besen,
  • Bangen wegen drohender Hausüberflutung,
  • kleinlautes Eingestehen des eigenen Fehlers,
  • Erleichterung über die Rettung durch den Meister in letzter Sekunde.

Ich kenne nicht viel Literatur, bei der so viele Gefühlsebenen in so kurzer Zeit durchlaufen werden. Mir scheint dies deshalb gerade für Parkinsonisten besonders geeignet zu sein. Denn die Muskellähmungen wirken auch auf das Gesicht. Dies wird deshalb oft als „maskenhaft“ bezeichnet, weil es unbeweglich bleibt und man scheinbar keine Gefühlsregung mehr hat.

Shirly, eine Bekannte aus einer Online-Selbsthilfegruppe, mit der ich mich zu diesem Thema austauschte, empfahl außer dem Zauberlehrling den Erlkönig und die Bürgschaft als weitere geeignete Stücke. Dafür danke ich ihr sehr, ebenso wie dafür, dass sie mich überhaupt auf den Gedanken brachte, zu diesem Thema einen Beitrag zu schreiben.

Hier folgen die Links zu den genannten Literaturwerken.

[simple-links category=“Gedichte“ description=“true“]

Und hier weitergehende Infos zu LSVT loud.

[simple-links category=“LSVT loud“ description=“true“]