Retard 24

(Last Updated On: 9. April 2016)

Ein großes Thema für alle Parkinsonisten und alle anderen Menschen unter Medikation ist die Zufuhr und die Wirkungsdauer der Medikation.

Gemeinhin gibt es Tabletten zum Einnehmen, Flüssigkeiten zu Trinken oder zum Einpumpen, Salben zum Auftragen oder Pflaster zum Aufbringen. Bei Pumpen und Pflastern kann man die Zufuhr direkt steuern und bei Bedarf sofort beenden. Bei allen anderen Formen gilt: „Was drin ist ist drin.“ Nur in außergewöhnlichen Situationen (zum Beispiel bei versehentlicher Falscheinnahme) kann man mit der Auslösung von Brechreiz oder Verabreichung von Gegenmitteln noch nachträglich die Wirkung des eingenommenen Mittels vermeiden.

Damit man insbesondere bei Tabletten nicht auf ständige lästige Einnahme angewiesen ist, hat die Pharmaindustrie Retardpräparate entwickelt. Diese wirken verzögert und halten so über einen längeren Zeitraum. Das ist eine geniale Erfindung. In diesem Artikel werden die Techniken zur Erzielung der Verzögerungswirkung etwas näher beschrieben: Wikipedia-Artikel Retard. Damit versteht man auch den bei solchen Medikamenten üblichen Hinweis, man dürfe die Tabletten nicht kauen, teilen oder zerbrechen.

Die Retardwirkung  bei praktisch allen Medikamenten, die ich bisher kennengelernt habe, betrug 24 Stunden.

Und ich frage mich immer wieder, ob es nicht auch sinnvoll wäre, Medikamente mit einer Retardwirkung von 12 Stunden auf den Markt zu bringen.

Dies gilt insbesondere für die Dopamin-Agonisten. Denn diese Medikamente haben auch stark aufputschende Wirkung. Sie lassen einen nachts oft nicht schlafen. Ich selbst habe daher lange von Agonisten mit Pumpenzuführung (Apomorphin) und solchen als Pflaster (Neupro mit dem Wirkstoff Rotigotin) profitiert. Die Pumpe konnte man nachts ohnehin nicht tragen und bei den Pflastern konnte man die Medikation reduzieren oder völlig beenden.

Das hat mir auf zweierlei Arten sehr geholfen: Erstens konnte ich wegen reduzierter Putschwirkung deutlich besser schlafen. Zweitens half es, die Akkumulation des Medikamentes im Körper zu verlangsamen. Dies ist gerade bei Agonisten besonders wichtig, weil sich die Nebenwirkungen erst im Laufe der Zeit entwickeln und umso stärker ausfallen, je mehr Medikation dem Körper zugeführt wurde.

M.E. könnte man deshalb die Situation verbessern, wenn es Medikamente gäbe, die am Tag und nur am Tag wirken. Das wären solche mit einer Retardwirkung von 12 Stunden, die man morgens einnehmen müsste.

Wenn Sie also zufälligerweise jemanden kennen, der für ein Pharmaunternehmen arbeitet, schlagen Sie ihm das vor. Vielleicht haben wir dann etwas Glück, dass so etwas einmal ausprobiert wird.